Ein Renaissance-Menue für 20 PersonenRezepte des Monats September 2003 |
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www.Geschichte-des-Kochens.de
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| 1. Lucanicae - Römische Würstchen nach
Apicius
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"Stampfe Pfeffer, Kreuzkümmel oder Kümmel (je nach Übersetzung), Bohnenkraut, Weinraute, Petersilie, gemischte Kräuter (condimenta), Lorbeer-Beeren und liquamen (Fischsauce) und mische dies mit kleingehacktem Fleisch. Stampfe alles nochmals gründlich mit liquamen, füge Pfefferkörner, reichlich Fett und Pinienkerne hinzu, stopfe damit eine lang und dünn ausgezogene Wursthaut (intestinum) und hänge die fertige Wurst zum Räuchern auf." | |
In "Aus dem Füllhorn Roms" schlägt Marcus Junkelmann für diese Köstlichkeit folgende Zutatenmengen vor: 500g feingehacktes Schweinefleisch
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Das Fleisch fein hacken, die Gewürze gründlich untermischen.
Die Masse in die Wurstdärme füllen. Im Kamin räuchern oder auch auf einem stark
räuchernden Rost über schwacher Glut.
Diese Reminiszenz an die antike Küche kann nicht fehl am Platz sein für ein Menue der Renaissance. |
| 2. Cervelatwürstchen nach Sabina Welserin | |
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[24] Wie man zerwúlawirstlach machen soll <<24>>Erstlich nempt 4 pfúnd schweinflesch vom zepfflin/ vnnd 2 pfúnd speck, das last klainhacken vnnd thiet 6 lott saltz darain/ ain pfúnd geriben kesß, '3' lott pffeffer, 3 lott jmber, wen es gehackt jst, so knetten das als darein, rerlach 3 lott, ain 1/2 lott negellach, ain halb lott múscatnúsß, zwaý lott zúcker, die derm músß man saúbermachen vnd nachmals gilben, darf man nit gar ain 1/2 lott saffera, man músß sý binden aúff baiden seitten, aúch vnngeferlich ain qúertlin frisch wasser darangiessen, man músß aúch das saltz, jmber, pfeffer nit gar darainthon, soll es vor versúchen vnnd darnach machen, man soll sý sieden vnngefarlich als 2 air, das gewirtz vnnd saltz músß man dareinton nach aines gúten gedoncken, man músß zuúor versúchen. Entnommen aus "Das Kochbuch der Sabina Welserin", von Hugo Stopp (Herausgeber), Ulrike Giessmann (Übersetzer) | |
500g Schweinefleisch von der Nuß |
Das Fleisch fein hacken oder durchdrehen (siehe Punkt 12). Mit dem geriebenen Käse, den Gewürzen und dem Wasser gründlich vermengen. Die Därme nach dem Waschen mit dem in warmem Wasser aufgelösten Safran färben. Dann die Wurstmasse einfüllen (siehe ebenfalls Punkt 12). In kaltem Wasser aufsetzen, damit sie nicht platzen und ca. 25 min ziehen lassen. Für Kochwurst sollte man die dickeren Därme (Enge) verwenden, will man die Wurst direkt grillen, sind die Saitlinge vorzuziehen.
Die Mengenangaben gehen zurück auf die Adaption von Peschke und Feldmann in: "Das Kochbuch der Renaissance" - Seite 141. |
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ACHTUNG: Die Anweisung des Originalrezeptes, man solle das Gewürz nicht ganz und gar zufügen, sondern 'immer wieder probieren und dementsprechend machen', ist nur zu berechtigt. Die große Gewürzmenge (vergleiche Rezept Nr. 3) verursacht geschmacklich eine gewisse Ähnlichkeit zu Cabanossi oder Debreziner. Also entweder einfach überraschen lassen oder beim ersten Mal nicht die gesamte Gewürzmenge verwenden oder die rohe Masse wirklich probieren. | |
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| 5. Püree von dicken Bohnen |
1kg enthülste dicke Bohnen oder Ackerbohnen (ersatzweise vorgekochte Bohnen im Glas) Die am Vortag eingeweichten Bohnen mit kaltem Wasser aufsetzen, aufkochen und das Wasser abgießen. Mit reichlich frischem Wasser solange kochen bis sie sich leicht zerdrücken lassen. Oder die vorgekochten Bohnen mit ihrer Flüssigkeit erhitzen. Abgießen und anschließend pürieren, zB. mit dem Kartoffelstampfer oder dem Zauberstab. Die würfelig geschnittene Zwiebel in Butter anschwitzen. Die Speise könnte auch noch mit Mascis, Koriander, Kardamon oder anderen typischen mittelalterlichen Gewürzen bestreut werden. |
Frei nach "Eyn guot lekker Koesteleyn", Begleitheft zur Ausstellung über Essen und Trinken im Mittelalter, 28 Seiten, div. Bilder, mit 5 Orginal-Rezepten. Zu beziehen über das Helms-Museum Hamburg-Harburg. |
| 6. Kohl auf römische Art - ein Rezept von Bartolomeo Scappi | |
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Aus der "Platina Cremonensis: Von der Eerlichen zimlichen/ auch erlaubten Wolust des leibs": Die weißen Teile des Mailänder oder Bologneser Kohls herausschneiden und in Fleischbrühe aufkochen. Den Kohl auspressen, daß der Saft herauskommt. Dann mit dem Küchenmesser weich schlagen. In einen Metall- oder Tontopf mit zwei Henkeln heißen Speck geben. Den Kohl dazumischen und alles langsam anrösten. Ein wenig Brühe dazugeben, aber es darf nicht zu flüssig werden. Wenn's fertig gekocht ist, warm zu Tisch tragen. Vorher aber noch Cascio-Käse und Zimt darüberstreuen. Den Kohl kann man auch mit Fleischkügelchen, die man aus verschiedenem Fleisch macht und dünstet oder am Spieß über dem Feuer brät, servieren. | |
Die äußeren Kohlblätter entfernen, den Strunk herausschneiden, den Rest in feine Streifen schneiden. In die Fleischbrühe geben, aufkochen und ca. 15 min weichkochen lassen. In einem Tuch portionsweise auspressen, dabei den Saft auffangen! Nebenbei in einer Pfanne den Speck auslassen, dann den Kohl vorsichtig darin anbraten. Immer wieder etwas von dem Kohlsaft dazugeben und verdampfen lassen, das verhindert das Anbrennen und ungleiche Anbraten des Kohls. Aufgrund der Menge kann das recht lange dauern. Vor dem Servieren mit dem Hartkäse und Zimt bestreuen. |
2 mittelgroße Weißkohlköpfe oder ein großer Kopf |
Wie bei vielen mittelalterliche Rezepten verbinden sich auch hier die so wiedersprüchlichen Komponenten zu einem völlig neuen Geschmack. Ich dachte, dieses Rezept sei das große Risiko des Abends. Tatsächlich aber aß fast jeder mit Begeisterung davon, selbst ausgemachte Kohlhasser haben zumindest positiv überrascht probiert! Das Text des Rezeptes ist entnommen aus:" Das Kochbuch der Renaissance" - Seite 213. | |
| 7. Reismus (=Eierreis) |
Aus dem "Kochbuch des Dorotheenklosters", Cod.2897, 1-29 - in "Wildu machen ein gut essen ...": [82] Ein Mus aus Reis Nimm ein Pfund* Reis** für ein Essen. Wasche ihn sauber, lese ihn aus. [Du] sollst ihn nicht verkochen lassen, [sondern] er soll gut aufgequollen sein. Nun brauchst Du eine süsse Kuhmilch, die sollst Du aufwallen lassen, und lege den aufgequollenen Reis hinein und nimm 24 Dotter und schlage sie [gut]. Wenn du anrichten willst, dann mische die Dotter darunter, damit er [der Reis] dick wird, und gib reines Schmalz oder Butter dazu und achte darauf, dass der Reis nicht verkocht.* Historische Angaben für ein Pfund schwanken zwischen ungefähr 450 und 520
Gramm, also nimm 500g. |
500g Reis Laß den Reis mit dem Wasser aufkochen und ausquellen. Oft umrühren um ein Anbrennen zu vermeiden, dabei eventuell zusätzliches Wasser nachgießen, das ist bei dieser großen Menge besonders wichtig! Am besten geht das in einer beschichteten Pfanne oder in einem Simmertopf. Wenn der Reis fast gar ist (ungefähr nach 40 min), füge die Milch und den "Rahm" hinzu. Schlage die zwei dutzend Eier auf und trenne Eigelb von Eiweiß. Wenn du damit fertig bist dürfte der Reis gar sein. Rühre jetzt die Butter unter den Reis und dann die Eigelbe. Unter Rühren stocken lassen - fertig! |
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| 9. Salat aus gebratenen Zwiebeln - Insaleggiata di cipolle | |
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[90] De la insaleggiata di cipolle Togli cipolle; cuocile sotto la bragia, e poi le manda, e tagliale per traveso longhette et sottili: mettili alquanto d'aceto, sale, oglio, e spezie, e dà a mangiare. [90] Über den Salat aus Zwiebel Nimm Zwiebeln, gare sie unter der Glut, dann schäle sie und schneide sie quer in lange , dünne Scheiben. Füge ein wenig Essig, Salz, Öl und Gewürze hinzu und gib es zu essen. |
Das Rezept entstammt dem "Il Libro della Cucina del Secolo XIV" (Ein
Buch der Küche des 14. Jh.), ediert von Francesco Zambrini,
Bologna, 1863; Reprint Bologna 1968 Zitiert aus:"Die Kochkunst des Mittelalters", Rezept 26, Seite 122. |
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800 g Zwiebeln in der Glut des Grills weich garen oder die Zwiebeln mit der Schale einzeln in
Alufolie wickeln und im Ofen bei 250°C ca. 1 Stunde garen. Vorsichtig die Folie öffnen und etwas
abkühlen lassen. Die schwarze oder karamelisierte Außenschicht wegschneiden und die Zwiebeln in
Streifen schneiden.
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[40] Specie fine a tutte cosse Toy una onza pevere e una de cinamo e una de zenzevro e mezo quarto de garofali e uno quarto de zaferanno. |
Rezept Nr. 40 aus "Libro di cucina del secolo XIV", Ludovico Frati, Livorno, 1899, Reprint: Bologna, 1970 (Testi Antichi die Gastronomia, 7) Zitiert aus:"Die Kochkunst des Mittelalters", Rezept 150, Seite 348. |
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[40] Feines Gewürz für alle Zwecke Nimm eine Unze Pfeffer und eine Zimt und eine Ingwer und ein halbes Quart Nelken und ein Quart Safran. |
16g Pfeffer, 16g Zimt, 16g Ingwer, 4g Safran, 2g Nelken |
| 10. Eierschnee nach Phillipine Welser | |
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Willst du ein kaltes Eiweiß machen, so nimm das Weiß von 10 Eiern und schlag es so gut, daß es fast wie Wasser ist. Dann nimm drei Quart guten Halbrahm und drei Löffel Zucker und klopf es wohl durcheinander. Gieß alles in ein gläsernes Häflein, setz es auf Kohlen und laß es, wobei du immer rührst, ein wenig heiß werden. Danach schütt es in eine tiefe Schüssel, rühr's ein wenig und richte es kalt an.
Zitiert nach: "Das Kochbuch der Renaissance" - Seite 255. |
26 Eiweiß (von Rezept 4 + 7) Das Eiweiß mit einer Prise Salz steif schlagen, eventuell in mehreren Portionen. Die Sahne mit
dem Zucker ebenfalls steif schlagen. Dann beides vorsichtig ineinandermischen und in einer Schüssel
im Wasserbad auf ca. 50 °C erwärmen, dabei ständig rühren. |
| 11. Honigwein |
1 kg Honig in ca. 2 L warmen Wassers auflösen, in ein Glas- oder Keramikgefäß füllen und etwas abkühlen lassen. Wenn die Flüssigkeit nur noch lauwarm ist, die Hefe* hinzufügen und gründlich verrühren. ½ TL Ingwer in ein feingewebtes Tuch geben, zuknoten, hineinhängen. Das Gefäß (nicht zu fest) verschließen oder mit einem Tuch bedecken. Ein Gäraufsatz ist noch besser,
sonst steht eine Infektion durch Essigfliegen zu befürchten! Darauf achten, daß in dem Gefäß etwa 10 %
Steigraum bleibt. Ich habe den Ansatz vor 3 Wochen gemacht und die erste Portion nach 3 Tagen entnommen, das Ergebnis schmeckt ein bisschen wie Federweißer. Nach einer Woche hatte ich noch ca. 1/2 Liter lauwarmes Wasser dazugetan, denn der Wein war mir zu süß. Den Rest hatte ich noch ca. 2 Wochen stehen und dann erst abgekocht um die Hefe abzutöten. Allerdings zu spät, ich hatte schon Essig - wenn auch einen recht leichten und schmackigen. Den trinke ich jetzt schlückchenweise nach dem Essen. *Im Mittelalter hatten/kannten die Leute nur Back- und oder Bierhefe. Beide sind aber nicht optimal,
denn bei der Backhefe ensteht fast gar kein Alkohol als Ergebnis, bei der Bierhefe nur bis zu etwa 8%.
Eine Weinhefe, z.B. Portweinhefe, macht aus der selben Menge Honig aber bis zu 16/18% Alkohol. Diese moderne Version der Honigweinherstellung entstammt der liebevollen und kompetenten Beratung von Hans-Georg Schaaf vom Zaubertrank in Hamburg. Sie verzichtet auf die im Mittelalter notwendige Erhitzung bis zum Kochen und die dadurch bedingte Zerstörung der antibakteriellen Honigwirkung. Zaubertrank (Stand: Aug. 2011) |
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Würste selbermachen - nur ein aufwendiges Experiment? Also, wenn die Reaktionen meiner Gäste und mein eigenes Geschmackserlebnis zu verallgemeinern sind, dann lohnt sich fast jeder Aufwand!! Und über das exquisite Geschmackserlebnis hinaus, weiß man wenigstens was drin ist. Wurstherstellung: Zuerst muß das verwendete Fleisch und der Speck irgendwie zerkleinert werden: - Man kann sich die Arbeit machen das Fleisch mit dem Messer sehr fein zu schneiden bzw.
kleinzuhacken. Das dauert lange und ist nicht ungefährlich für die Finger.
Wie kommt nun die gut gemischte Wurstfülle in die "Pelle" und in welche überhaupt? Für Bratwürste gibt es zwei Durchmesser Darm zu kaufen, einmal die sogenannte "Enge",
einen Schweinedarm, der die gewohnte Bratwurstdicke ergibt (20 Cent/m), außerdem den "Saitling",
einen Schafdarm (40 Cent/m), der im Durchmesser einer Rostbratwurst entspricht.
Zur Auflockerung zwischendurch ein mittelalterliches Bild zur Wurstdarmvorbereitung. Es befindet sich auf einer der wunderbare Seiten von www.godecookery.com: Preparing sausage skins, Flemish, 14th century Den Wurstdarm legt ihr ½ Stunde vor der Verwendung in lauwarmes Wasser und spült ihn nochmal ab. Dann sucht ihr ein Ende und stülpt die Öffnung über die Wursttülle, danach erstmal 2m draufrebbeln. Diese Länge ist noch gut handhabbar, denn eine Hand muß den aufgerebbelten Darm über der Tülle festhalten. Das offene Darmende verknoten. Dann beim Einfüllen der Wurstmasse darauf achten, daß keine Luftblasen entstehen. Wenn das passiert, befüllen stoppen, mit der Hand, die die Wurst bzw. den Darm hält, die Wurst etwas auf die Tülle zurückschieben, den Darm etwas die Tülle hochziehen, dann weiterbefüllen. In regelmäßigen Abständen abbinden oder abdrehen, dh. Du drehst einfach die schon fertigen Würste einige Male herum, sodaß der Darm sich verwindet. Mit dem Fleischwolf wird zuerst das pure Fleisch mit der Zerkleinerungsscheibe durchgedreht,
dann in einer Schüssel mit den restlichen Zutaten gemischt, danach wird die fertige
Wurstfülle ohne die Zerkleinerungsscheibe nochmals durchgedreht und dabei durch die
aufgesteckte Wursttülle gepresst. Am besten geht es zu Zweit, einer dreht die Wurstmasse
durch, einer hält den Darm fest und dreht die fertigen Würste ab. Wenn Du die Würste
erst auseinanderschneidest wenn sie schon etwas angebraten oder gekocht sind, verhinderst Du daß
sie sich an den Enden aufdrehen.
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