Gewürzmischungen


Mein Tip:
Diese Mischungen vorbereiten,
dann sind sie bei Bedarf stets greifbar
und das Durcheinander beim Kochen
wird nicht noch größer.
Gewürzhändler 13Jh., Konrad Mendelsches Hausbuch, Zwölf-Brüder-Stiftung
www.DasMittelalterkochbuch.de
www.Geschichte-des-Kochens.de
Historische Küche im Internet

Spätestens wenn man anfängt aus den Originalkochbüchern heraus selbst Rezepte nachzukochen, wird man vor dem Satz: "und würz es wohl und gibs hin" stehen.

Und dann stellt sich die Frage aller Fragen: Womit um Himmels willen?

Die folgenden Gewürzmischungen finden sich im "Libro di cucina del secolo XIV" (dem "Buch der Küche des 14. Jahrhunderts" also), Ludovico Frati, in Livorno herausgegeben 1899, Reprint: Bologna, 1970 (Testi Antichi die Gastronomia, 7)

Zitiert aus: "Die Kochkunst des Mittelalters", Rezept 150, Seite 348-350.

Der vollständige Text des Libro di cucina del secolo XIV findet sich im Projekt von Thomas Gloning.

 

[LXXIII] Specie fine a tutte cosse

Toy una onza pevere e una de cinamo e una de zenzevro e mezo quarto de garofali e uno quarto de zaferanno.

Feines Gewürz für alle Zwecke

Nimm eine Unze Pfeffer und eine Zimt und eine Ingwer und ein halbes Quart Nelken und ein Quart Safran.

16g Pfeffer, 16g Zimt***, 16g Ingwer, 4g Safran, 2g Nelken

[LXXIV] Specie dolce per assay cosse bone e fine

Le meior specie dolze fine che tu fay se vuoi per lampreda in crosta e per altri boni pessi d'aque dolze che se faga in crosto e per fare bono brodetto e bon savore. Toi uno quarto de garofali e una onza de bon zenzevro e toy una onza de cinamo leto e toy arquanto folio e tute queste specie fay pestare insiema caxa como te piaxe, e se ne vo' fare piú, toy le cosse a questa medessima raxone et è meravigliosamente bona.

Süßes Gewürz für viele gute und feine Dinge

Die besten süßen und feinen Gewürze, die du für das Neunauge im Teig und andere gute Süßwasserfische, die in Teig gemacht werden, für eine gute Brühe oder eine gute Sauce herstellen kannst. Nimm ein Quart Nelken und eine Unze guten Ingwer, nimm eine Unze feinen Zimt und nimm ebensoviel Blatt, laß alles miteinander zerstampfen, wie du es haben willst. Und wenn du mehr davon machen willst, nimm die Dinge in demselben Verhältnis, und das ist wunderbar gut.

16g Zimt***, 16g Ingwer, 4g Nelken, 16g "Blatt" *.

[LXXV] Specie negre e forte per assay savore

Specie negre e forte per fare savore; toy mezo quarto de garofali e do onze de pevere e toy arquanto pevere longo e do noce moscate e fa tute spece.

Schwarzes und Scharfes Gewürz für mannigfaltige Saucen

Schwarzes und Scharfes Gewürz, um eine Sauce zu machen: Nimm ein halbes Quart Nelken und zwei Unzen Pfeffer, nimm enesoviel langen Pfeffer** und zwei Muskatnüsse, dann hast du Gewürz für alles.

60g Pfeffer, 60g langer Pfeffer**, 4g Nelken, 2g Muskat

 

* Kommentar zu "Blatt":

Laut "Die Kochkunst des Mittelalters" ist nach wie vor unbekannt um welches Gewürz es sich bei La feuille - Blatt, handelt. Es wird in französischen Rezepten und mittelalterlichen Handelstraktaten erwähnt. Es wird gemutmaßt, daß es sich nicht um Lorbeer handelt, da dieser nicht in den Listen für kostspielige, importierte Gewürze vorkäme.

Auf Gernot Katzers Gewürzseiten jedoch findet sich folgende interessante Passage:
Die indischen Lorbeerblätter stammen von einem Baum, der nahe mit Zimt (dessen Blätter man als Ersatz verwenden kann) verwandt ist. Die derben Blätter mit den charakteristischen drei parallelen Adern sind in Nordindien sehr beliebt, werden aber nirgendwo sonst verwendet – zumindest heutzutage. In der Antike waren sie wohlbekannt; im Rom hießen sie malobathrum (auch malabathrum; in Rezepten oft einfach nur als folia = Blätter bezeichnet) und wurden für Küche und Parfümerie gleichermaßen verwendet (siehe auch Silphion über die Küche der alten Römer). Während des Mittelalters waren die indischen Lorbeerblätter ebenfalls noch in Europa erhältlich und wurden bis ins 16. Jahrhundert zum Bierbrauen gebraucht (siehe dazu auch Gagel), aber danach fielen sie der der Vielzahl neuer Gewürze zum Opfer, die nun erhältlich waren, und wurden schließlich vergessen.

Also lieber etwas mehr Zimt nehmen oder die Zutat ganz weglassen, als etwa Lorbeerblatt mörsern. (Eine Schweinearbeit ganz nebenbei gesagt!)

Ich denke man kann auch das chinesische Five Spice Blend (Pae-Lo Powder) verwenden. Es enthält Zimt, Koriander, Sternanis, Piment und indische Lorbeerblätter (Bay-Leaves), ist nach meinem Verständnis also auch ein "süßes Gewürz".

** Kommentar zu "Langer Pfeffer" (Longpepper) aus Asien :

Laut Gernot Katzers Gewürzseiten heißt dieses Gewürz auch Stangenpfeffer, Balinesischer Pfeffer, Jaborandi-Pfeffer oder Bengalischer Pfeffer - es sieht ein bißchen aus wie dunkelbraune, harte Haselkätzchen. Der Geschmack ist schärfer als schwarzer Pfeffer und warm, mit süßlichen Obertönen (er trägt den Duft von Piment und Muskat in sich), das trockene Gewürz riecht nicht.

Langer Pfeffer kam wahrscheinlich noch vor dem heute dominierenden schwarzen Pfeffer nach Europa. Bereits bei den Römern wurde er sehr geschätzt und auch teuer bezahlt – etwa dreimal soviel wie für gewöhnlichen schwarzen Pfeffer, der schon selbst keineswegs billig war. Mit seinem süßlich-scharfen Geschmack paßte langer Pfeffer tatsächlich sehr gut zu den pikant-süßen Kompositionen der altrömischen Küche (siehe auch Silphion). Heutzutage ist dieses Gewürz aber fast unbekannt und mitunter schwer zu bekommen.
... er spielt aber auch eine gewisse Rolle in Äthiopien, wo man ihn oft den typischen Eintöpfen (wat) zusetzt, sehr häufig in Kombination mit schwarzem Pfeffer, Muskat, Gewürznelken und Curcuma; in letzterer Zutat manifestiert sich die Verwandtschaft zur indischen Küche.

*** Kommentar zu "Zimt":

Und nochmal Gernot Katzers Gewürzseiten: Zimt war auch in Europa vom 16. bis zum 18. Jahrhundert sehr beliebt, aber seine Bedeutung ist nun wesentlich geringer: In der westlichen Küche wird Zimt fast nur noch für Süßspeisen verwendet; so würzt man z.B. Kompotte oft mit Zimt und Gewürznelken. Zimt wird aber heutzutage kaum für salzige Speisen verwendet.
In Indien verwendet man Zimt zumeist ungemahlen: Die Rindenstücke werden in heißem Öl gebraten, bis sie sich entrollen (das ist wichtig, um den Geschmack freizusetzen), dann setzt man die Temperatur rasch herab, indem man mit anderen Zutaten wie Tomaten, Zwiebel oder Joghurt ablöscht. ... Die Zimtstücke können vor dem Servieren entfernt werden, aber häufiger beläßt man sie als duftende Dekoration.
In anderen Ländern zieht man Zimtpulver vor. Man sollte das Pulver nicht zu lange mitkochen, da es sonst einen leicht bitteren Geschmack abgibt. Zimtpulver ist in etlichen Gewürzmischungen enthalten, wie z.B. dem anglo-indischen Currypulver (siehe Curryblätter).
[Zimt zu Fleisch ist uns also doch nicht ganz unbekannt!]

Übrigens war Zimt früher "eine (Zimt)-Stange Geld wert"!



Hippokras-Pulver - Würzmischung für Hypokras / Hipokras / Ypokras

Um Hippokras-Pulver herzustellen brauchst Du ein Viertelpfund sehr feiner Zimtrinde (wähle sie aus indem Du darauf beißt), ein Achtelpfund gemahlenen Zimt, eine Unze vorzüglichen feinen weißen Mekka-Ingwer, eine Unze Paradieskörner, ein sechstel Teil Muskat und Zyperwurzel und schlage alles zusammen. Wenn Du Hippokras zubereiten willst, nimm eine gute halbe Unze dieses Pulvers, und mische es mit einem halben Pfund Zucker und einem quarte Wein, Pariser Maß. Und beachte, daß die Mischung aus Pulver und Zucker "des Herzogs Pulver" genannt wird.

Aus: "Ein mittelalterliches Hausbuch" (Hrsg. Tania Bayard, 1992), einer Übersetzung von Auszügen aus dem "Le Menagier de Paris". Dabei handelt es sich um einem ca. 1400 anonym in Paris erschienenen praktischen Ratgeber zu Familie, Haus und Garten eines weit älteren Mannes für seine sehr junge Ehefrau.

 

- Zum Thema Hypokras siehe auch den lesenswerten Abriß aus: Basler Kost - So kochte Jacob Burckhardts Grossmutter

- Alte Maße und Gewichte - Wikipedia

- Zyperwurzel - Chlorocyperus bzw. Cyperus rotundus Linnaeus (1753) - Nussgras, Zypergras:
            Zypergräser auf Wikipedia
            Chapter Three - Wild Plants Used in Folk Medicine - (pdf)
            Medizinische Verwendung + Foto
            Liste weltweiter Benennungen